Maria Trunschke - Spurensuche mit meiner Mutter, Kapitel 6 Ein Beruf! Mit Leidenschaft arbeiten!

Während wir uns über ihr Leben unterhalten, lässt meine Mutter wieder so einen kleinen Satz fallen. Einen Satz, der eigentlich von ihrer Mutter stammt: "Du hast ja einen Beruf":

Bis zu diesem Satz ist mir nie aufgefallen, dass meine beiden Tanten gar keinen "richtigen" Beruf hatten. Beide haben immer gearbeitet und "ihren Mann gestanden". Beide haben später auch eine Ausbildung nachgeholt. Die ältere Schwester, Martha, arbeitete an der Schule in Goyatz im Sekretariat und unterrichtete Handarbeit. Die jüngere Schwester, Irmgard, erbte den elterlichen Hof und arbeitete später in der LPG mit.

Vor dem Elternhaus
Vor dem Elternhaus
Album 22
Vor dem Elternhaus
Mit Eltern
Mit Eltern
Mit Eltern und Schwester
Mit Eltern und Schwester

Für mich ist es immer selbstverständlich, dass meine Mutter einen Beruf hat, und dass sie in diesem auch arbeitete. Dass das nicht in ganz Deutschland so war, zum Teil sogar noch immer anders ist, das habe ich erst nach der Wende 1989 richtig wahrgenommen. Ich kann mir nur schwer vorstellen wie es ist, in den ersten Lebensjahren nur wenig Zeit mit Gleichaltrigen zu verbringen.

Berufsstart als Säuglingsschwester

Über die Ausbildungszeit meiner Mutter habe ich schon berichtet. Ihr Berufsleben beginnt meine Mutter auf der Frühchenstation des Bezirkskrankenhauses Cottbus. Die Arbeit auf der Frühchenstation ist für meine Mutter gleichermaßen schön und traurig.

Die schönsten Tage waren die, wenn wir einem kleinen Würmchen den Einstieg ins Leben ermöglichen konnten. Niederschmetternd war es, wenn die Kleinen es nicht geschafft haben.

Als Säuglingsschwester
Als Säuglingsschwester
Beim Füttern
Beim Füttern
In Eile
In Eile

Eine Krankenschwester als Mutter

So lange ich mich daran erinnern kann, arbeitete meine Mutter in der Kinderpoliklinik. Heute muss man das Wort Poliklinik wohl erklären. Polikliniken folgen einem sehr sinnvollen Gedanken. Der Kranke solle alle Ärzte und Einrichtungen, die er benötigt, an einem Ort vorfinden, und diese sollen zusammenarbeiten. Kinderpolikliniken versammeln alle medizinischen Leistungen für Kinder an einem Ort. Immer, wenn ich mal krank bin und von einem Arzt zur Röntgenabteilung und von dort zum nächsten Arzt rennen muss, fluche ich darüber, dass man dieser sinnvollen Einrichtung nach 1989 keine Chance gelassen hat. Heute könnte man die Polikliniken noch am ehesten mit den Ärztehäusern vergleichen.

Porträt
Porträt
Es ist gut, eine Mutter zu haben, die im Krankenhaus arbeitet. Das merke ich schon als kleiner Junge. Wartezimmer? Brauche ich nicht. Die Chefärztin hat immer ein besonders freundliches Wort für mich. Besonders bedeutsam wird für mich die Arbeitsstelle meiner Mutter, als ich auf der Abschlussfahrt nach dem Abitur schwer verunglücke und die Ärzte mir das rechte Bein abnehmen wollen. Meine Mutter ist da, kaum dass ich mit dem Unfallwagen eingeliefert werde. Was kann es in einer Situation, da man immer wieder wegen des hohen Blutverlustes und der Schmerzen ohnmächtig wird, und wenn man wach ist sich so ohnmächtig fühlt wie noch nie in seinem Leben, was kann es da tröstenderes geben als die Nähe der eigenen Mutter? Aus dem 18 Jahre alten jungen Mann wird schnell ein ganz kleiner Junge.

Noch einige Jahre weiter liege ich wieder im Bezirkskrankenhaus Cottbus. Die Diagnose ist noch schlimmer: Krebs. Die Aussicht Anfang November: Weihnachten werde ich nicht mehr erleben. Jetzt bin ich tatsächlich der junge Mann, der den Mut zum Leben bei sich selbst findet. Dennoch, dass die Mutter so schnell "auf dem Sprung" mal vorbeischauen kann, tut einfach gut. Ja, es hilft, eine Mutter zu haben, die im Krankenhaus arbeitet.

Noch vor der Krebssache habe ich selbst kleine Kinder. Meine Mutter arbeitet noch immer in der Kinderpoliklinik, und meine beiden Töchter genießen dieselben kleinen Privilegien wie einst ich. Wartezimmer unbekannt. Sogar die Chefärztin ist noch immer dieselbe. Von meiner Mutter lernen wir den Umgang mit unseren Babys. Wir übernehmen ihren beherzten Griff beim Baden der Kinder. Noch heute, wenn ich junge Paare in luftig sommerlicher Kleidung sehe, deren Kinder tief vermummt im Kinderwagen liegen, dann muss ich unwillkürlich an den Spruch meiner Mutter denken: Babys sollten immer ungefähr so angezogen werden wie Erwachsene. Man muss lediglich berücksichtigen, dass sie die meiste Zeit still liegen. So bin ich aufgewachsen, so sind meine Kinder aufgewachsen, und die heutigen Babys tun mir mitunter leid. Doch wieviele Mütter und Väter müsste man ansprechen, um etwas zu ändern?

Beruf und Kinder

Das Berufsleben ist für meine Mutter gerade in den ersten Jahren nicht einfach. Ein Grund bin ich. Fünf Jahre später kommt ein weiterer Grund hinzu, meine Schwester Claudia. Doch eigentlich sind nicht wir beide der wahre Grund. Die Vereinbarung von Beruf und Kindern ist damals schwierig und ist es heute wieder.

Nur unsere Generation konnte das unvergleichliche Privileg genießen, beim Kinderkriegen keinen Gedanken an Einkommen und Karriere verschwenden zu müssen. "Nur" die eigene Wohnung bereitete oft Schwierigkeiten. Wir hatten dabei jedoch Glück. Die Wohnungsverwaltung hatte bei einer Wohnungsvergabe die uns zugesprochene Wohnung doppelt vergeben. Ihren Fehler korrigierte sie mit einer großzügigen und hellen Wohnung für uns. Erstbezug. Was waren wir stolz auf unsere Plattenbauwohnung.

Man kann, ja man muss der DDR viel schlechtes nachsagen. Aber dass sie nicht nur uns beiden, sondern meiner ganzen Generation dieses Unbeschwertheit mit dem Nachwuchs ermöglicht hat, dafür werde ich ihr immer dankbar sein. Ein Demograph hat mir einmal erzählt, nie zuvor in der Geschichte und nirgends sonst außer noch in Chile haben die Menschen so früh ihre Kinder bekommen. Für meine eigenen Kinder ist es wieder schwerer geworden.

Doch zurück zu den Problemen meiner Mutter. Noch gibt es Kinderkrippen und Kindergärten und Hort nicht so wie dann zu unserer Zeit. Oft sind sie nur über Beziehungen, per Zufall oder aufgrund besonderer gesellschaftlicher Notwendigkeiten zu bekommen. Meine Mutter musste also längere Zeit mit mir zu Hause bleiben. Erst als das Krankenhaus dringend Personal suchte ergibt sich eine Lösungsmöglichkeit.

Als sie endlich mich im Kindergarten und meine Schwester in der Kinderkrippe untergebracht hat, hören für meine Mutter die Probleme keineswegs auf. Ja, eigentlich wird alles noch viel schwieriger. Zwar ist sie jetzt wieder in ihrem geliebten Beruf, der ihr Selbstwertgefühl und auch eine gewisse Unabhängigkeit bringt. Aber oft genug bleibt sie mit dem Spagat zwischen Beruf, Kindern und Haushalt auf sich gestellt. Mein Vater ist nur selten zu Hause. Er gehört zu den Männern, die ihre Betätigung und Bestätigung vor allem außerhalb der eigenen Familie suchen und finden. Sein Job erst als Trainer, später als Sportfunktionär und noch später als Dozent, daneben die Promotion, ein zweites Studium und diverse andere Aufgaben und Funktionen lassen sich kaum anders erledigen. Er ist jedoch ein Meister im Organisieren, und sobald ihn eine Sache wirklich interessiert, meistert er fast alle Engpässe und Schwierigkeiten, die das Leben im real existierenden Sozialismus so mitbringt. Da ist er eine Hilfe für meine Mutter, ansonsten ist vor allem sie es, die sich als Meisterin des Alltags bewährt.

Bezirkskrankenhaus Cottbus
Bezirkskrankenhaus Cottbus
Als Kind bin ich oft in der Kinderpoliklinik am Bezirkskrankenhaus Cottbus, dort, wo meine Mutter arbeitet. Natürlich, wenn ich selbst krank bin. Aber auch einfach so, meine Mutter besuchen oder sie von der Arbeit abholen. Als kleiner Junge verbringe ich gelegentlich die Zeit nach dem Kindergarten oder der Schule dort. Ich erinnere mich noch gut an den langen, kahlen Flur in dem seitlichen Anbau an das ehrwürdige Krankenhaus. Von ihm aus sind alle anderen Räume zu erreichen. Es riecht überall, wie es in Krankenhäusern riecht, also unangenehm nach einer Mischung aus Bohnerwachs, Medizin und Krankheit. Wenn es ganz schlimm kommt sticht einem der scharfe Geruch von Sterilisationsmitteln in die Nase.

Bis heute sehe ich meine Mutter schnellen Schrittes mit ihrem weißen Kittel von einem Zimmer zum andere eilen. Ich sehe, wie sie jungen, unerfahrenen Müttern einfühlsam und zugleich energisch hilft. Väter mit ihren Kindern sind damals dort höchst selten anzutreffen, worüber ich damals jedoch kaum nachdenke.

Ein paar Buntstifte müssen mir meist reichen - und reichen mir. Papier gibt es ja in einer Poliklinik reichlich. Vordrucke, weiße Blätter, sogar richtig große, fast quadratische. Keine Ahnung, wofür die gebraucht werden. Später versenke ich mich in Bücher, so dass ich selbst den unangenehmen Geruch um mich herum vergesse. So bin ich gleichermaßen behütet und unter Aufsicht. Mitunter nimmt mich meine Mutter auf einen Gang durch das große Haus mit. Die Gänge kreuzen einander, so dass es schwer ist, die Orientierung zu behalten. Bald jedoch benutze ich den entfernter liegenden Haupteingang genauso wie den direkten Eingang zu Kinderpoliklinik.

Manchmal sehe ich meiner Mutter zu, wie sie die Spritzen und andere medizinische Sachen sterilisiert. Einwegspritzen gibt es damals noch nicht. Mitunter, besonders bei schönem Wetter hält es mich nicht an dem mir zum Malen zugewiesenen Platz. Ich spiele auf dem Rasen vor der Kinderpoliklinik, wenn ich mich recht erinnere, gemeinsam mit dem Kind einer anderen Krankenschwester. Dabei entdecken wir etwas Wunderbares: Blaubeeren. Die kenne ich gut, immerhin gehen wir öfter in den Wald, Blaubeeren pflücken. Klar, dass wir diese Kostbarkeit kosten müssen. Stolz erzählen wir unseren Müttern von dieser Entdeckung an ihrem Arbeitsplatz. Sie werden ganz blass. Blaue Beeren haben sie hier noch nie wahrgenommen. Blaubeeren können auf diesem Boden gar nicht wachsen. Die Aufregung meiner Mutter macht mir Angst. Ich weiß nicht, wovor meine Angst größer ist. Davor, dass die falschen Blaubeeren giftig sein könnten, oder davor, dass ich jetzt einen Schlauch schlucken muss, damit der Magen ausgepumpt werden kann. Doch die Sache geht noch einmal gut aus. Eine Ärztin entscheidet nach intensivem blättern in diversen botanischen Büchern, dass die Beeren wohl doch nicht giftig sind.

Leidenschaft für den Beruf, Alltag und Auszeichnungen

Krankenhaus 1
Kinderpoliklinik 1
Krankenhaus 2
Kinderpoliklinik 2
Kinderpoliklinik 3
Kinderpoliklinik 3
Kinderpoliklinik 4
Kinderpoliklinik 4

Meine Mutter liebt ihren Beruf sehr. Das spüren wir Kinder. Es ist eine sinnerfüllte und ausfüllende Arbeit. Offenbar stimmte auch das Klima unter den Ärztinnen und Schwestern. Jedenfalls habe ich meine Mutter nur sehr selten einmal über die eine oder die andere Kollegin schimpfen hören. Noch Jahre nach dem Berufsleben trifft sie sich mit einigen von ihnen.

Vielleicht spürt auch die eine oder andere besorgte Mutter diese Liebe zum Beruf, auch wenn sie sich schon mal ein barsches Wort von meiner Mutter gefallen lassen muss. Meine Mutter ist fürsoglich, aber auch resolut.

Auf jeden Fall schwingt diese berufliche Leidenschaft noch heute in der Stimme meiner Mutter mit:

Dennoch, der Altag ist alles andere als einfach:

Ein Tag in der Kinderpoliklinik

Im Eiltempo um 6.30 Uhr mit dem Fahrrad zur Kinderpoliklinik. Fahrrad abstellen, anschließen und ab in den Umkleideraum. Schnell noch einmal das Haar ordnen, dann geht es los. Thermometergläser frisch herrichten, ein sauberes Handtuch hinhängen.

Jetzt die ersten Akten der bereits angemeldeten Patienten holen und die ersten vier Patienten aufrufen. Thermometer den Müttern in die Hände drücken, und das erste Kind wiegen. So geht das etwa bis zur Mittagspause weiter. Dann wurden die Zimmer gewischt und staubgewischt. Zwischendurch in der Anmeldung helfen, zumal, wenn großer Andrang war. Bei Bedarf Spritzen verabreichen.

Nach der Mittagspause je nach Sprechstunde - Diabetis, Nieren, Gastroenterologie, Kardiologie, Rheuma - die Kinder wiegen, Werte errechnen, Rheumakindern Depotpenecillin verabreichen.

An manchen Tagen sind Untersuchungsergebnisse beim Arzt zu dokumentieren. Dann sitzt man eben am Schreibtisch und muss sehr aufpassen, um das Arztlatein richtig zu schreiben.

Einen anderen Blick auf diesen Alltag erlaubt der folgende, ganz im Stil der damaligen DDR verfasste Zeitungsartikel von Klaus Wilke in der Lausitzer Rundschau, dessen genaues Datum leider nicht mehr zu rekonstruieren ist:

Ein Herz für die Jüngsten

Besuch in der Kinderpoliklinik des Bezirkskrankenhauses

Aus der Lausitzer Rundschau
Aus der Lausitzer Rundschau
Kinderstimmchen, lautbildendes Babeln, freudiges Lachen, kleine, vorsichtige Trippelschrittchen, Stolpern, ein paar Tränen - all das erlebt man frühmorgens vor der Anmeldung in der Kinderpoliklinik des Bezirkskrankenhauses. Und Tränen kollern des öfteren, wenn das ach so nötige Impfen auf dem Programm steht. Doch Freude und Frohsinn sind des öfteren zu bemerken, und manche Kinder, so erzählt die Schwester Genossin Carmen Buder, kommen sogar gern zu den weißbekittelten Ärztinnen und Schwestern, die so freundlich sind, und manchmal auch ein Bombon aus der tiefen Tasche holen und so neckische Sachen erzählen. Ja, in diesem Kollektiv liebt man die Kinder besonders.

Das ist auch der Grund, weshalb sich die fünf ständigen Ärzte und die 25 Schwestern unter Leitung ihres Chefarztes Frau Dr. Vera Jacob immer wieder überlegen, wie sie die Arbeit ihres Kollektivs noch verbessern können. Ist das ein Wunder, wenn man erfährt, daß in den heutigen Räumen schon tausend Ideen aller Mitarbeiter realisiert worden sind, wenn fast jeder geäußerte Gedanke mit einem Erfolgserlebnis, mit einer Anerkennung verbunden ist?

Zum 25. Jahrestag der DDR war die Kinderpoliklinik in rekonstruierter Gestalt übergeben worden. In den vielen Monaten des Umbaus, unter erschwerten Bedingungen also, war das "normale" Leben der Poliklinik weitergegangen. Wohin man heute auch blickt, überall Neues, worauf Ärzte und Schwestern stolz sind. Jeder Besucher muß durch den Anbau, in dem die Kinderwagen der Patienten Platz finden. Früher standen diese bei Wind und Wetter unter freiem Himmel. Schwester Maria Trunschke erzählt, daß besonders Genossin Oberarzt Dr. Christa Scholz mit der Idee auftrat, "einfach" den Eingang des Gebäudes in die verkehrsärmere Nebenstraße zu verlegen. Dort fand man Gelegenheit für den Anbau.

Maria Trunschke arbeitet seit mehr als zehn Jahren in dem Kollektiv: "Vor dem Umbau hatten wir einen kleinen Aufenthaltsraum. Darin standen eine Liege, ein Medikamentenschrank, und dann mussten wir dort auch noch frühstücken, bei der Atmosphäre geschah das meist im Stehen. Heute ist das viel freundlicher, behaglicher."

Das betont auch Genossin Hilde Eichler, über deren Schreibtisch - sie ist als Schreibkraft tätig - Diagnosen, Therapien und Rezepte gehen, um zu Papier gebracht zu werden."Ich gehe hier ins 22. Jahr meiner Arbeit, und ich möchte nicht fort. Denn die Meinung von jedem Kollegen ist gefragt. Wenn ich bedenke, welche Fortschritte wir gemacht haben in den mehr als zwei jahrzehnten! 1958, als das Mutterschutzgesetz erlassen wurde, stiegen die Geburten, bekamen wir mehr zu tun. Das war erfreulich, und unser Haus mußte des öfteren umgebaut und die Arbeitsmöglichkeiten erweitert werden. Doch so viel wie bei der letzten Rekonstruktion wurde nie getan, für die Patienten und für uns."

Man könnte einen Gang durch die Kinderpoliklinik antreten, in die Anmeldung mit der neuen Hängekartei blicken, einen Eindruck von den Räumen für Kinder mit Infektionen oder in der Ausstattung der Sprechzimmer nachforschen - immer, auf Schritt und Tritt begegnet einem die Hilfe und Unterstützung unseres Staates für die kleinsten Bürger und die große Liebe und Aufopferung der Ärztinnen und Schwestern für ihre kleinen Patienten.

Die mehrmalige Auszeichnung mit den Titeln "Kollektiv der sozialistischen Arbeit" und "Kollektiv der DSF" würdigte diese Leistungen.

Sicher, insbesondere der vorletzte Abschnitt klingt pathetisch und hat eine ideologische Funktion. Ganz falsch ist er dennoch nicht. Tatsächlich wurde in der DDR viel für Kinder und deren Mütter unternommen. Noch heute zeugt die überdurchschnittlich Anzahl an Kindertagesstätten in den neuen Bundesländern von diesem Erbe.

mehrfach erhalten
mehrfach erhalten
Die Auszeichnung als "Kollektiv der sozialistischen Arbeit" war ähnlich zwiespältig. Natürlich wurden damit propagandistische, ideologische und wirtschaftliche Ziele verfolgt. Sie animierten gleichzeitig jedoch zur gemeinschaftlichen Auseinandersetzung mit Kultur und Kunst.

Neben den genannten Auszeichnungen erhielt meine Mutter auch noch weitere Anerkennungen, für langjährige Betriebszugehörigkeit, für hervorragende Leistungen. Zweimal erhielt meine Mutter auch den Titel "Aktivist der sozialistischen Arbeit", über den es auf Wikipedia wohl zutreffend heißt:

Der Ehrentitel konnte allen Werktätigen in allen Bereichen des betrieblichen wie gesellschaftlichen Lebens auch wiederholt verliehen werden. Einzige Voraussetzung war, dass der Beliehene hervorragende Leistungen beim Aufbau des Sozialismus und bei der Festigung und Stärkung der DDR vollbracht hatte. Das betraf einfachste Dinge bis hin zur Anwendung neuer Arbeitsmethoden oder Überplanerfüllung bei der Produktion. Die Auszeichnung als Aktivist der sozialistischen Arbeit wurde dabei durchaus unterschiedlich bewertet und wahrgenommen. Einerseits wurde sie relativ breit gestreut, um die breite Zustimmung der Werktätigen mit dem System nachzuweisen. Im Jahr 1988 wurden von 8.979.700 Werktätigen 4441 als Verdiente Aktivisten und 284.166 als Aktivisten ausgezeichnet. Andererseits standen dahinter oft wirklich überdurchschnittliche Leistungen der mit der Ehrung bedachten Menschen, die einem Beobachter unabhängig von der politischen Wertung Hochachtung abringen konnten.

Aktivist 1979
Aktivist 1979
Aktivist 1989
Aktivist 1989
20 MDN mehr
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40 MDN mehr
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70 MDN mehr
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Beste des Monats 1981
Beste des Monats 1981
Beste des Monats 1984
Beste des Monats 1984
Beste des Monats 1986
Beste des Monats 1986
Auszeichnungsveranstaltung
Auszeichnungsveranstaltung

Selbstverständlich, in der DDR selbstverständlich, war meine Mutter auch Mitglied der Gewerkschaft:

25 Jahre Gewerkschaftsmitglied
25 Jahre Gewerkschaftsmitglied

Arbeiten nach der Rente

10 Jahre im Gesundheitswesen
Ehrenurkunde
10 Jahre im Betrieb
10 Jahre im Betrieb
15 Jahre im Betrieb
15 Jahre im Betrieb
20 Jahre im Betrieb
20 Jahre im Betrieb
25 Jahre im Betrieb
25 Jahre im Betrieb
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Gruppenbild
Gruppenbild 1
Gruppenbild
Gruppenbild 2

Meine Mutter hat zwar spät mit ihrer Ausbildung angefangen, dafür arbeitet sie aber auch nach der Rente noch in ihrem Beruf. Gründe dafür gibt es genug. Sicher das knappe Geld. Man verdiente auch damals schon im Gesundheitswesen schlecht. Vor allem aber hängt meine Mutter an ihrer Arbeit und nicht zuletzt am Arbeitskollektiv.

Doch auch der Ruhestand ist für meine Mutter eher ein Unruhestand. Ganz traditionell hält sie meinem Vater, der Bürgermeister seines Ortes wird und auch so manches Projekt vorantreibt, den Rücken frei. Darüber hinaus pflegt und hegt sie den großen Garten.